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Archive for the ‘Die lesende Minderheit’ Category

Für den Urlaub suche ich mir gerne Belletristik aus, die in der Gegend spielt bzw. dort geschrieben wurde, wo die Reise hin führt. Mit isländischen Autoren betrat ich in diesem Jahr völliges Neuland.

Nach ein wenig Recherche  – es ist ganz erstaunlich, wie viel isländische Literatur es gibt, wenn man bedenkt, dass die ganze Insel ca. 300000 Einwohner hat – entschied ich mich für drei Autoren, die mir meiner Kragenweite zu entsprechen schienen.

Meine große Entdeckung des Sommers ist Jon Kalman Stefanssons (im deutschen nur zweibändige) Trilogie: „Der Sommer hinter den Hügeln/ Das Licht auf den Bergen“. Genau wie „der Junge“ kommt man Sommer für Sommer in ein Isländisches Dorf. Am Anfang, gerade angekommen, fällt es schwer die Namen der Leute auseinander zu halten und den richtigen Höfen zuzuordnen. Man hört die eine oder andere Geschichte, trifft diesen, spricht mit jenem, hört von einem dritten. Nach und nach wird aus diesen vielen Episoden ein dichter Teppich aus miteinander verwobenen Schicksalen. Man taucht ein in dieses Tal und erfährt so ganz nebenbei eine Menge über Island. Humorvolle und skurrile Momente, Klischees  und maßlose Übertreibungen, genaue Beobachtungen und wunderbar poetische Bilder. Gefällt mir sehr gut und hat das Potential noch mal gelesen zu werden.

Dagegen bin ich, obwohl eher Mainstream,  mit den Büchern von Kristin Marja Baldursdottir („Die Eismalerin“, „Möwengelächter“) nicht so recht warm geworden. Da werden mir zu viele Klischees bemüht und gängige Bücherbausteine aufeinander geschichtet, die für mich kein stimmiges Ganzes ergeben. Besonders beim Möwengelächter hatte ich manchmal den Eindruck, das alles sei für eine Verfilmung geschrieben. Das liest sich so dahin, geht aber nicht tiefer und bleibt nach dem Weglegen vermutlich nicht allzu lange im Gedächtnis.

Der Vollständigkeit halber sei noch Einar Mar Gudmundson erwähnt, der allerdings noch ein wenig warten muss, weil ich zwischendrin noch die Bücher vom kleinen Fräulein Sonne lesen musste. Für richtig gute Kinderbücher ist man halt niemals zu alt (in diesem Falle Timm Thaler, Das doppelte Lottchen und Igraine Ohnefurcht).

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Einen Titel mit Eigennamen fordert das aktuelle Thema der lesenden Minderheit.

Meine Empfehlung für Große:

„Meister Breugnon“ von Romain Rolland

Ein Schelmenroman, ein Roman der großen kleinen Leute, ein Roman voller Lebensweisheit und Lebenslust … hat man sich einmal an die altertümliche Sprache gewöhnt, ein ergötzlich zu lesendes Büchlein, ein Zeitgemälde und Zitatenschatz;

und für Kleine:

„Herr Eichhorn und der erste Schnee“ von Sebastian Menschenmoser

Herr Eichhorn überredet Igel und Bär gemeinsam auf die erste Schneeflocke zu warten. Wie sie gegen den Schlaf ankämpfen und wie sie herausfinden, wie so eine Schneeflocke nun wirklich aussieht, ist hier herrlich komisch dargestellt. Lockere, trotzdem sehr genaue Zeichnungen, tolle Perspektiven und ein vergnüglicher  Text bilden eine schwungvolle, liebenswerte Geschichte, die man immer wieder anschauen kann. Einzig, dass Eichhörnchen sehr wohl wissen was Schnee ist, da sie gar keinen Winterschlaf halten, sei hier kritisch angemerkt.

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Da ich mich dieser durchaus zugehörig fühle, was bei meinen Lieben genau dann zu  hochgezogenen Augenbrauen führt, wenn das in der Küche fröhlich vor sich hin kochende Kartoffelwasser selbige in dicken Nebel hüllt, während Malou mit einem Schmöker irgendwo sitzt und die Welt um sich herum vergessen hat (wobei das Ereignis austauschbar ist)…also genau darum, führt am neuen Blog der lesenden Minderheit von Caro und Bine kein Weg vorbei. Ich bin also dabei und hoffe auf viele neue Entdeckungen. Wenn das Thema es zulässt, möchte ich jeweils ein Buch für Erwachsene und eines für Kinder/Jugendliche vorstellen, denn ausufernde Bücherregale sind eindeutig erblich…

„Ein Buch, in dessen Titel eine Farbe vorkommt“ soll das erste Thema sein. Zwei aus dem Fundus fallen mir ein. Das kann ja wohl nicht alles sein. Man stelle sich Malou also mit gerunzelter Stirn vor dem Bücherregal, erst stehend, dann auf dem Hocker balancierend vor und voila, da findet sich tatsächlich noch mehr.

Lila, Gold, Blau,Gelb,2 x Weiß,3 x Schwarz, 4 x Grün, Rotgelb und Blaurot – 14 Bücher mit Farbe im Titel habe ich hier, allerdings ist nicht alles Belletristik.

Zwei Kletterführer, ein Reiseführer, ein Liederbuch, zwei Kunstbücher für Kinder, ein Gedichtband, zwei Kinderbücher und fünf Romane bzw. Erzählbände. Erstaunlich finde ich, dass das am Ende ein ganz guter Querschnitt durchs Bücherregal ist, einzig die Handarbeitsbände sind eindeutig unterrepräsentiert. Da geht es zwar sehr oft um Farbe(n), die findet sich aber nicht im Titel.

Bleiben 7 „Lesebücher“ alle schon längere Zeit im Bücherregal und bis auf eines auch alle schon vor längerer Zeit gelesen.

Marguerite Duras- „Blaue Augen, schwarzes Haar“ – ganz gewiss kein Schmöker, faszinierende Sprache, surreal, poetisch, verstörend

Alice Walker – “ Die Farbe Lila“ – dürfte, vor allem durch den Film, hinlänglich bekannt sein

Erwin Strittmatter-„Grüner Juni“ – quasi das vierte Buch der „Laden“-Trilogie. Wie eigentlich alles von Strittmatter absolut lesenswert.

Javier Marias – „Mein Herz so weiß“ – von der Kritik hochgelobt, legte ich das Geschenk bald beiseite. Ein Schreibstil mit dem ich nicht viel anfangen kann, zu trocken, zu langatmig. Das Buch wartet noch auf den zweiten Versuch – vielleicht erreiche ich ja irgendwann das Alter für diese Art Geschriebenes.

Alexander Wolkow- „Der gelbe Nebel“ – auch ein Klassiker. Für Kinder ist die ganze Smaragdenstadt Serie ein „muss man gelesen haben“. War es auf jeden Fall vor dreissig Jahren. Vielleicht sollte ich noch mal mit zensurbefreitem Blick drüberlesen? Ich finde es nämlich gerade in DDR-Kinderbüchern erstaunlich und erschreckend, wieviel ideologisches Geschwafel enthalten ist, welches man einfach so überlesen bzw. ob der permanenten Präsenz, nicht wahrgenommen und vergessen hat.

Zwei Bücher wandern jetzt noch mal in die Leseecke, um wieder gelesen und anschließend hier vorgestellt zu werden. „Die blaurote Luftmatratze“, weil Titel und Inhalt so hervorragend zum Thema passen (nur zur Jahreszeit nicht ganz) und Jurij Brezan „Die schwarze Mühle“. Ich bin gespannt, wie weit Erinnerung und aktuelle Wahrnehmung übereinstimmen werden.

PS: Beim einräumen des Bücherstapels in der Märchenbuchecke noch zwei Farbtitel entdeckt – „Das Goldene Zelt“-kasachische Volksepen und Märchen und „Moosgrüne Märchen“ (auch „Braune Märchen) – heiter frivole Kunstmärchen von Alexander von Ungern-Sternberg.

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