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Archive for the ‘gewebt’ Category

Stoffspielereien

Die monatlichen Stoffspielereien habe ich schon wieder verpasst. Das Thema „seltene Techniken“ finde ich ziemlich interessant, weshalb ich meinen halbfertigen Versuch noch hinterherschicke. Nachdem ich länger darüber grübelte, welche Technik nun wirklich selten ist, entschied ich mich für Sprang. IMG_0702Das ist eine Technik, bei der ausschließlich mit einer Kette gearbeitet wird. Die Kettfäden werden miteinander verdreht und verkreuzt. Dabei entsteht vom oberen und unteren Ende der Arbeit her ein spiegelbildliches Muster, welches am Ende noch mit einem Faden gesichert wird. Erste Hinweise für diese Technik gibt es schon aus der Jungsteinzeit. Später finden sich viele Zeugnisse aus Europa und Nordafrika. Aber auch in Amerika wurde Sprang erfunden. Eine kurze Anleitung samt einiger Links findet sich z.B. hier.SummertimeAuch heute wird Sprang noch verwendet. Meine mexikanische Hängematte ist ein Beispiel dafür. Eine Puppenhängematte fürs Fräulein Sonne habe ich so auch schon mal hergestellt.

Nun ist die alte Technik ja das eine, die zeitgemäße Umsetzung das andere. Am häufigsten findet man Haarnetze für historische Kostüme und Einkaufsbeutel – nicht so ganz das, was ich mir unter zeitgemäß vorstelle. Ich erinnerte mich an ein Textilbild der Künstlerin, deren Hochwebstuhl ich erbte. Das gefiel mir einst sehr gut und ich fand eines dieser Bilder tatsächlich im Netz (sehenswert übrigens auch ihr  500 Brettchen Wandbehang). Bei weiterer Recherche fand ich diese Seite. Die Kombination mit der Weberei und die dadurch entstehenden Muster sind doch faszinierend. Einen kleinen Versuch in dieser Richtung startete ich. Das Ergebnis ist total unausgegoren, ich zeige es trotzdem mal. IMG_0703Eine Kette aus Doppel- und Einzelfäden, die zum Anfang in einer normalen Leinwandbindung gewebt wird. IMG_0705Später wird nur noch einer der doppelten Fäden eingewebt, der zweite bleibt auf dem Gewebe sichtbar liegen. IMG_0706Diese Fäden werden anschließend verzwirnt. Mit ein paar Fäden mehr, einer stimmigeren Fadenspannung und ordentlicheren Kanten, wäre der Versuch gar nicht so verkehrt. So bleibt festzuhalten, das die Richtung stimmt, die Umsetzung aber noch etwas mehr Zeit und Geduld braucht.IMG_0708Das Sprang in größer nicht nur für Hängematten funktioniert, könnt ihr hier sehen.

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Neun von vierzig Farben habe ich euch im Laufe der letzten Wochen schon gezeigt. Mit den restlichen 31 sind sie der Grund, warum das kleine Fräulein Sonne seit einigen Jahren mit gutem Gewissen behaupten kann: “ Mama spinnt“

Vor einigen Jahren beschloss ich, dass es an der Zeit sei spinnen zu lernen. Wieso oder warum habe ich mittlerweile vergessen. Jedenfalls bestellte ich ein Kilo Bunte im Band, steckte eines unserer chinesischen Essstäbchen in ein Rad aus dem Bastelladen und begann. Die Theorie war mir recht geläufig – schließlich habe ich vor langer Zeit mal recht erfolgreich eine Ausbildung im VEB  Oberlausitzer Textilbetriebe hinter mich gebracht. Da die Maschinen das theoretisch ja ganz genau so machen, war die Hürde des Prinzip-Verstehens schon mal genommen. Allerdings ist man an der Spinnmaschine ja nur der Handlanger, der Spulen und Ringe wechselt sowie gerissenen Fäden wieder anknotet und ansonsten die Hände in der Schürzentasche lassen kann. Also verhedderte ich mich wie jeder Anfänger, sammelte die Spindel zig mal vom Boden auf, freute mich über die ersten schwangeren Regenwürmer und hatte irgendwann das ganze Kilo zu Fäden gemacht. Deren Lauflänge schwankte zwischen 9 und vierzig Metern pro 100 g und somit ganz beträchtlich.

Trotzdem – ich freute mich über meinen Haufen bunter Wolle und freute mich und freute mich und hatte eigentlich keine Idee, was da mal draus werden sollte. Nur, dass etwas draus werden sollte und zwar aus allen Farben gemeinsam,  war klar. Dann bekam ich einen Hochwebstuhl, der seither größtenteils im Weg rumsteht und begann aus den bunten Knäueln etwas  zu weben.

In voller Breite natürlich – denn warum klein beginnen, wenn der Webstuhl doch so breit ist und außerdem, hatte ich doch schon an viel größeren Maschinen gewebt (LAUTEX – siehe oben – 16 Webstühle für jeden – eine irre Rennerei war das). Theoretisch war also alles klar. Praktisch lief es natürlich nicht ganz so glatt. Die Ränder sind nicht gerade perfekt und die Kettspannung ist nicht über die gesamte Breite konstant. Durch die unterschiedlich starken Fäden ist eine ziemlich rustikale Struktur entstanden, die ich sehr mag und das Etwas, von den Maßen irgendwie ein Mittelding zwischen Schal und Decke steht hier als kuschelig bunter Seelen- und Füßewärmer hoch im Kurs.

Auf meinem Schaukelstuhl, wo die Decke eigentlich hingehört, sucht man sie oft vergebens. Meist lungert sie dann im Kinderzimmer, auf dem Balkon oder der Couch rum, eben immer da, wo jemand ein wenig bunte Wärme nötig hatte. Das kleine Fräulein Sonne findet ja, dass diese Decke besonders gut wärmt, weil so viel Mama drin steckt…ich alter Pragmatiker glaube eher, dass das an der Merinowolle liegt, freue mich aber sehr über die Einstellung des Kindes zu selbst gemachtem.

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